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Mein Urlaub in Rumänien (YO)
Von HB9BZC, Kurt W. Hirschi

Noch zu Hause
Irgendwann im Jahre des Herrn, 2015, kam mir die Idee, mich wieder einmal irgendwo um einen Freiwilligeneinsatz zu bemühen. Schliesslich muss ich doch noch schnell nachholen, was ich schon mein Leben lang hätte tun sollen – nämlich arbeiten. So kam es, dass ich bei meiner Suche Edwin Rütsche aus Wil fand. Der Termin für den Einsatz wurde auf Ende Juli bis anfangs August 2016 festgelegt. In diesen zwei Wochen sollten zehn(!) Nasszellen aufgebaut werden. 

deva 28 20160907 1318422658 deva 21 20160907 1084141900 deva 22 20160907 1697912796 deva 23 20160907 1135158977

Nasszellen heisst, Duschen mit WC, für Damen und Herren getrennt. Mit neuen Wänden, neuen Türen, und die Wände und der Boden sollen natürlich mit Fliesen belegt werden. Die Gebäude dienen in erster Linie als Kinderheim. In Rumänien gibt es immer noch sehr viele Kinder, die aus ärmsten Familien stammen. So reiste eine Gruppe von siebzehn aufgestellten Leuten nach Deva RO. Deva ist in Siebenbürgen. Es ist dies nicht der erste derartige Einsatz der meisten von uns.  Wir waren eine Gruppe von Leuten, nicht von Männern. Unter uns befand sich nämlich eine Frau. Die Berufe waren sehr unterschiedlich. Edi Rütsche ist Sanitärmeister und hatte eine ansehnliche Firma. Die Dame eine angehende Eremitin, ein Elektriker, Finanzleute, Lehrer und noch ein paar gelernte Sanitärfachleute.

Deva (Eisenmarkt)
Das Städtchen Deva (YO2) erreichten wir mit dem Flugzeug von ZH über Wien und Sibiu und von Sibiu mit dem "Mikrobus". Vergessen hatte ich diesmal ausnahmsweise nichts. Ah, doch: meine Jacke mit dem 2-m-Handy und noch einigen anderen wertvollen Sachen. Die reisten mit dem Zug ganz alleine von St. Gallen nach Genf. Herzlichen Dank meiner xyl. Sie organisierte den Rücktransport der Jacke nach St. Gallen. Mittels eines Postpaketes sandte sie mir meine Sachen samt Jacke direkt an den Ferienort in Craiova (YO7). Nach dem Einsatz in Deva buchte ich mir ein paar Tage Ferien in Craiova.

In Deva teilte ich mit einem Kollegen ein kühles, mückenfreies Zimmer. Ohne Mückenschutz wären wir von diesen Vampiren wohl aufgefressen worden. Sobald es ging, richtete ich auch meine KW-stn ein. Der kleine trcvr und die Matchbox fanden auf dem Fenstersims platz, die Netzteile unter dem Bett und der PC auf dem Nachttischchen. So ganz geheuer war mir die Sache allerdings nicht. Geerdete Steckdosen? Wozu Erdung, wenn doch ein Schutzkontakt vorhanden ist? Angeschlossen braucht er deswegen noch lange nicht zu sein …! Als Antenne genügten zwei Drähte. deva 12 20160907 1081818474Am Morgen nach der ersten Nacht des Zusammenschlafens staunte ich nicht schlecht. Das andere Bett war leergeräumt. Offensichtlich schnarchte seine Matratze viel zu laut. Wohl aus Rücksicht zu mir schlief der Kollege dann im kleinen Zwischengang vor der Zimmertüre auf sehr engem Raum. deva 10 20160907 1189761550

Ende der ersten Augustwoche verliess ich Deva und reiste nach Craiova. Was ich wohl diesmal wieder vergessen habe? Egal, ankommen werde ich bestimmt. Die Bahn fuhr durch scheinbar unberührte Wälder und Gegenden. Die Fahrt war einfach ein Traum. Die Eindrücke zu schildern würde den Rahmen dieses Beitrages bei Weitem sprengen. Kurz gesagt, einfach ein Traum!

Craiova
Craiova liegt im Süd-Westen Rumäniens, nicht weit der bulgarischen Grenze. Bei meinem ersten Einsatz in Craiova 2012 lernte ich viele Leute kennen. Wir bauten damals ein Pflegeheim für die Ärmsten (siehe www.openhands.ch). altersheim ethos 1 20160907 2034516960Meine Freunde, die ich damals während der Bauzeit dieses Heimes kennenlernte, hatten vor, mich in Deva besuchen zu kommen. Eine Distanz von ca. 300km. Das lag für sie finanziell fast nicht drin, und zeitlich für mich überhaupt nicht. Unser Zeitplan liess keine Lücken zu. Also buche ich anschliessend an den Einsatz in Deva Ferien in Craiova.

Nach dem ersten Ansturm der Besuche kam ich endlich dazu, mir die Kurzwellenstation aufzubauen. Zur Verfügung standen mir biologische Antennentürme (zwei Bäume) und eine ausgeklügelte Kurzwellenantenne, bestehend aus ein paar Metern Klingeldraht. craiova stadtbilder 1 20160907 1427150824Die Station hatte gut im Zimmer Platz. Das Zimmer war sehr klein, aber für diese Zeit sehr gut für mich.craiova stadtbilder 5 20160907 1572595885 Eigentlich hätte ich liebend gerne die G5RV Antenne aufgebaut. Aber wie das Leben so spielt, brach eine Lötstelle. Ohne geeignetes Werkzeug ist an eine Reparatur der Antenne nicht zu denken. Wohlweislich schleppte ich deshalb den Klingeldraht mit und baute damit meinen Dipol. Flachfeeder hatte ich natürlich auch keines. Aber die Drähte mehr oder weniger parallel verlegt – das geht auch. Jedenfalls kamen einige schöne Funkverbindungen innerhalb von Europa in Telegrafie zustande.

Craiova, eine Stadt der Gegensätze
Noch bis im Jahr 2014 waren die Spuren des Kommunismus nicht zu übersehen. Mittlerweile wird die Stadt langsam, aber sicher, saniert. Die Stadtverwaltung möchte, dass Craiova ins Kulturerbe der UNESCO aufgenommen wird. Ob die Industrieleichen in nächster Zeit verschwinden, wage ich zu bezweifeln. Unter Industrieleichen verstehe ich verlotterte oder noch im Bau befindliche Fabrikareale. Aber der Parc Romanescu (Parcul Nicolae Romanescu) sucht in Sachen Schönheit seinesgleichen. Allerdings vom angrenzenden Zoo möchte ich lieber nicht schreiben. Der Käfig des Adlers ist gerademal so gross, dass der Vogel knapp seine Flügel öffnen, aber nicht voll ausstrecken kann. Der Rest des Zoos sieht auch dementsprechend bedenklich aus. hier leben menschen 7 20160907 1254454334craiova stadtbilder 26 20160907 1397687746Die Gesichter der Gebäude der Stadt reichen von nahe am Zerfall bis hin zum Schmuckstück. Die Uni, das Kunstmuseum und weitere repräsentative Gebäude erstrahlen natürlich in vollem Glanz. Das grosse Spital hingegen, na ja, wenn wir darin Schweine hielten, wir kämen wohl ins Gefängnis! Bei meinem letzten Einsatz in Craiova verletzte ich mich derart am Finger, dass ich mich im Spital behandeln liess. Mann! Das war ein Erlebnis. Aber der Finger funktioniert, und die Narbe ist kaum sichtbar. Die Ärzte, die verstehen ihr Handwerk. Aber das Gebäude, alles verlottert und kaputt. Kaputt und trotzdem funktioniert's.

Korruption kennt das Land Rumänien keine. Es ist das System, das (noch) so ist. Persönlich hatte ich als „Hochwürden Schweizer“ natürlich keine Probleme mit dem Finanziellen. Ich wurde zuvorkommend behandelt. Für die Einheimischen sieht die Sache dann doch etwas anders aus. Oft müssen diese erst Geld geben, bevor sich jemand um sie kümmert.

Wie dem auch sei, ich freue mich jetzt schon auf den nächsten Besuch in Rumänien.
Ein paar Eindrücke:
Eine Bemerkung zu den Bildern: Die Bilder sind autentisch. Mit den Leuten hatte ich persönlichen Kontakt!

 Bilder aus Deva
Bilder aus Craiova: Parc Romanescu
 
Bilder aus Craiova und Deva: Hier leben Menschen
 
Bilder aus Craiova: Stadtbilder von Craiova
Bilder aus Craiova: Altersheim Ethos
 

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