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Amateurfunker oder Funkamateur oder?
Suppengemüse oder Gemüsesuppe?

Die Zusammensetzung zweier Substantive zu einem neuen Wort mit einer eigenen Bedeutung ist ein besonderes Kennzeichen der deutschen Sprache. Dabei können wir neue Hauptwörter durch beliebige Aneinanderreihung von Substantiven bilden. Es ist jedoch zu beachten, dass das letzte Wort immer das eigentliche Hauptwort ist und alle vorangehenden Substantive dieses präzisieren.

Wir müssen uns also nur entscheiden, was wir sein wollen : Funker oder Amateure ?

Nun sind beide Substantive allein schon ziemlich verdächtig: [http://de.wikipedia.org/wiki/Funker] "Funker bezeichnet eine Person, die für den Betrieb einer Funkanlage zuständig ist (e: radio operator, wireless operator). Der eigenständige Berufszweig des Funkers ist mit der Digitalisierung und Automatisierung des Funkverkehrs in den letzten Jahrzehnten weitgehend überflüssig geworden. Dennoch gibt es auch heute noch Funker auf Schiffen und im militärischen Bereich. Meist ist der Funkbetrieb mittlerweile nur eine von mehreren Aufgaben eines Funkers". Obwohl es zwar schon seit geraumer Zeit nach den geltenden Vorschriften wie „Leistungspegel der Nebenaussendungen“, usw. eigentlich nicht mehr "funken" sollte, ist der Ausdruck im Deutschen immer noch korrekt und allgemein gebräuchlich.

Wenn es aber heute "funkt", dann höchstens noch zwischen zwei Verliebten und damit wären wir auch schon beim französischen "amateur" bzw. dem lateinischen "amare", dh. dem "Kunstliebhaber" oder allgemein demjenigen, der etwas nicht zum Gelderwerb sondern zur Freizeitgestaltung tut [Kluge : Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache]. Leider hat dieses Wort - wegen den vielen französischen Sonntagsmalern im 18. Jahrhundert - immer auch die Nebenbedeutung des Dilettantischen. Und dummerweise hatte das Wort Dilettant ursprünglich die gleiche Bedeutung wie Amateur, nun aber aus dem Italienischen "dilettare", dh. sich erfreuen oder amüsieren, wie z.B. mit Bunga-Bunga.

Heute haben beide Wörter nicht mehr ihre etymologisch ursprüngliche Bedeutung und werden fast durchwegs abwertend und teilweise verletzend verwendet, also leider auch für den Anfänger, Möchtegern, Laie, Stümper, Pfuscher und andere.

Die folgenden Punkte stellen ein einfaches Denkgerüst für Diskussionen zur sinnvollen Bezeichnung unserer Freizeitgestaltung dar :

1. In der neuen deutschen Rechtschreibung nach Duden gelten leider sowohl die Bezeichnungen Amateurfunker bzw. Amateurfunkerin und Amateurfunk als auch Funkamateur bzw. Funkamateurin analog zu Funkanlage, Funkausstellung, Funkbild, usw.

2. Mit Amateur als qualifizierendem Beiwort werden im Deutschen nur die Amateurfilmer und Amateurfunker bezeichnet.

3. Analog den Berufsbezeichnungen Schiffsfunker, Bordfunker oder Militärfunker ist die Bezeichnung Amateurfunker naheliegend.

4. Das BAKOM (UVEK) verwendet die beiden Begriffe "Amateurfunker" und "Funkamateur" auf ihren Webseiten und e-Publikationen gleichzeitig und damit leicht verwirrend und nicht sehr sprachbewusst (Funkamateur : 31 mal, Amateurfunker : 11 mal).

5. Da es sich beim "Funk" dh. bei der Verwaltung des Radiofrequenzspektrums, um einen behördlich geregelten Bereich handelt, ist die Analogie zu einem ähnlich geregelten Verwaltungsbereich, der Fliegerei, naheliegend : Auch beim BAZL (UVEK) werden nach Reglement und Prüfungen Lizenzen vergeben (JAR-FCL, LAPL oder PPL) wie bei den Amateurlizenzen HB3 oder HB9 des BAKOMs (UVEK). Und die "Amateurpiloten" heissen sinnvollerweise und in klarer Abgrenzung zu ihren Berufskollegen einfach Privatpiloten - mit einer PPL-Lizenz. Diese sind nicht zu verwechseln mit den Modellfliegern, die man zu Recht sowohl als "Amateurflieger" als auch "Amateurfunker" bezeichnen könnte, denn sie haben vom Fliegen bzw. der Funkfernsteuerung meist keine Ahnung aber "lieben" ihr Hobby auch. Nun gibt es leider weder einen "Modelläther" noch "Modellsender" und somit bleibt eigentlich nur noch die sinnvolle und korrekte Bezeichnung : Privatfunker!

Ich unterstütze den Vorschlag von Paul, HB9ZV, gelernter Telegraphist, innerhalb der USKA und in der Kommunikation mit der Gesellschaft eine einheitliche Bezeichnung zu verwenden. Nur, dies bei unseren Behörden durchzusetzen, dafür fehlt uns wohl der Atem wie auch die Courage … denn "qui bono"; oder wer (wir) will denn was (Lizenzen und Privilegien) von wem (BAKOM)?

Peter, HB9AAP, und Dr. U.R.Wyss
Zürich, 5.1.2013