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Einsatz in Oraștie, Siebenbürgen (RO)

Von HB9BZC, Kurt W. Hirschi
Wie schon im Jahr 2016 nahm ich 2018 wieder an einem Einsatz in Rumänien teil. Diesmal in Oraștie, Siebenbürgen. Die Reise begann etwas spektakulär, allerdings nicht so wie damals Die Reise nach Paris. Am Samstag, 14. Juli, hätte ich fliegen sollen. Am Vortag, Freitag den 13. Juli, zerbrach mir kurz vor dem Mittagessen ein Zahn. Was nun? In RO hätte ich den Zahn auch reparieren lassen können. Im Gedenk an das Erlebnis in einem Spital in RO wegen eines kleinen Unfalles, musste eine andere Lösung her, denn solche Erlebnisse brauche ich nicht in meinem Maul. Also, Notfallnummer anrufen. Zwei Stunden später verliess ich die Zahnarztpraxis in SG mit einer neuen Krone im Mund.

Natürlich vergass ich, mich online bei der Fluggesellschaft einzubuchen. Am Samstag dann, im Flughafen, funktionierte einfach nichts, wie es sollte. Alles musste von Hand erfasst und ausgedruckt werden. Nun, der Flug von ZH nach Wien und weiter nach Sibiu, war ausgesprochen ruhig und schön. In Sibiu empfingen uns Leute des Projektes "Oraștie" sehr herzlich. Mit einem Kleinbus wurden wir ins ehemalige Kloster der Franziskaner nach Oraștie gefahren.

einsatz orastie 2018 95 20180819 1583200861Das Kloster ist ein ehemaliges Franziskaner Kloster. Der Franziskaner Pater Csaba hat schon über achtzig Kinderheime eröffnet! Eines dieser Kinderheime bekommt jetzt neue Duschen und WCs samt allem, was dazugehört. Natürlich wurden und werden die Kosten von Spendern getragen. Die Arbeiten mussten unbedingt in zwei Wochen erledigt sein. Wir schliefen in den Zimmern der Kinder, in den Klassenräumen und im Lehrerzimmer. Besagte Zimmer mussten nach den Ferien zwingend wieder freigegeben werden. Für uns hiess das, zehn bis elf Stunden am Tag hart arbeiten, sechs Tage die Woche. Ohne minutiöse Vorbereitungen seitens des Organisators Edi Rütsche wären diese ganzen Arbeiten in dieser kurzen Zeit unmöglich gewesen. Kommt dazu, dass man vor Ort kaum etwas an Werkzeugen und Materialien kaufen kann. Wir sind ind er Schweiz wirklich mit allem sehr verwöhnt!

einsatz orastie 2018 5 20180819 1753975401Ein paar Kinder durften aus sozialen Gründen nicht mit in die Ferien. So mussten sie unserer Truppe wegen in engen Räumen zusammen schlafen. Wie gerne wären sie mit den anderen mit gefahren. So wurden sie im Garten und überall dort, wo es ging, irgendwie beschäftigt. Selbstverständlich wurden wir alle Freunde, und der Abschied am Ende des Einsatzes war dann doch eher etwas schmerzhaft! Vor allem für die Kinder.

einsatz orastie 2018 1 20180819 2030192776Unsere Truppe bestand aus Leuten unterschiedlichster Fachrichtungen. Als da waren eine Eremitin, eine Informatikerin, Wirtschaftsleute, Banker, Zimmerleute, Elektriker und natürlich Leute vom Fach der Sanitäre. Vom Alter her junge Lehrlinge bis hin zu Pensionierten. Diese illustere Truppe von 21 Leuten unter einen Hut zu bringen war wohl nicht ganz einfach! Kommt dazu, dass die gesamte Organisation samt allem von einem einzelnen Mann vorgängig erledigt wurde, nämlich von Edi Rütsche. Auch er ist schon lange pensioniert. Nach zwanzig Jahren dieser Arbeiten denkt er langsam übers Aufhören nach.

Aufhören, was so schön begonnen hat? Wie es wohl weiter gehen wird? Die Idee eines Vereins steht im Raum. Aber wer wird Präsident werden und mit anderen zusammen den "Karren" ziehen? An hoch motivierten Helfern fehlt es nicht. Für die Führung eines Vereines braucht es mindestens drei Leute: Jemand, der das Sponsoring pflegt, jemand der die Planung vornimmt und jemand, der das Ganze zusammenhält. So sind wir auf der Suche, wie es weitergehen könnte. Aufhören wäre jammerschade. Hätte jemand, der oder die diesen Bericht liest, Interesse, den Verein mitzuführen?

Meine Ferien in Craiova
Anschliessend an den Einsatz in Oraștie besuchte ich wieder meine Freunde und Familien in Craiova. Wohnen konnte ich in einer Pension. Natürlich wurde sofort die Kurzwellen-Station eingerichtet. Leider erfolglos. Die Ausbreitungsbedingungen waren so schlecht, dass es zu keiner einzigen Funkverbindung kam.

Seit meinem letzten Besuch im Jahre 2016 hat sich viel getan. In beide Richtungen. So werden z. Bsp. die Lichtsignale auf den Strassen durch Signale der EU-Norm ersetzt. Ein paar Strassen wurden neu asphaltiert. Die Abfallberge sind geblieben. Mehr noch. In den Quartieren der Ärmsten beobachtete ich, wie Jugendliche mit einem neuen(!), verzinkten Schubkarren Plastikmüll an den Strassenrand kippten. Die Abfallentsorgung ist nach wie vor eine richtige Katastrophe. Überall auf den Grünflächen liegen Abfallhaufen mit Plastik herum. Die in der Schweiz verbotenen "Raschelsäckli" fliegen vom Wind getragen in der Luft umher.

ferien craiova 2018 4 20180819 1230246093Auch in Sachen Energieversorgung hat sich nicht viel geändert. So betreiben die Städte wie Craiova ein Heiz- und Elektrokraftwerk, befeuert mit Kohle. Die Stadt Craiova hat ca. 280'000 gemeldete Einwohner, und noch mal ebenso viele dürften einfach irgendwo in Armut dort leben. Wie viele es wirklich sind, weiss niemand. Ein paar Fotovoltaik-Anlagen wurden aufgebaut.

Von den Heizkraftwerken weg werden dicke Rohre geführt, die in irgendwelches Zeug verpackt sind. Sollte wohl Isolation sein. Besagte Rohre führen in die Quartiere und dienen der Heisswasserversorgung. ferien craiova 2018 3 20180819 1307693681Der weisse Rauch aus den Schornsteinen täuscht, denn in der Umgebung dieser Kraftwerke riecht es nach verbrannter Kohle. Viele meiner Freunde und Bekannten starben etwa fünfzigjährig an einem Tumor. Zusammenhang? Keine Ahnung. Jedenfalls trifft es die Ärmsten wie die "Besser-Betuchten".

Zurück in der Schweiz ist mir wieder einmal mehr bewusst geworden, wie gut wir es in unserem Land haben. Den Unzufriedenen hierzulande täte ein Aufenthalt in so einem Land mehr als nur gut. Mit Aufenthalt meine ich nicht Ferien in einem Luxushotel, sondern in den Betten des "gewöhnlichen Volkes" schlafen, und auch aus ihren Tellern essen!

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Bilder des Einsatzes

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Ferienbilder

Es gäbe noch so viel mehr zu berichten, aber das würde den Rahmen unserer Homepage bei Weitem sprengen.