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reto hb9koo 1 20151106 1449486715Reto Lareida, HB9KOO, berichtet in Wort und Bild über seinen Einsatz für LEMUEL SWISS. LEMUEL?  Was ist das? Am Abend des 3. Oktober konnten wir es hören und sehen.

Haiti ist das ärmste Land der westlichen Hemisphäre. Voodoo, Korruption, Kriminalität, Vetternwirtschaft, fehlende Rechtssicherheit und eine fatalistische Lebenseinstellung behindern den ersehnten Fortschritt. Regelmässig eintretende Naturkatastrophen (Erdbeben, Hurrikans) sind weitere Hemmnisse auf dem Weg in eine bessere Zukunft. Morde, Überfälle und Raubzüge sind an der Tagesordnung und gehören zum Land.

7. September 2017: Monster-Hurrican IRMA (600km Durchmesser!) bewegt sich mit nur gerade mal 26 km/h in Richtung Nordküste Haiti. Er verursacht Windgeschwindigkeiten bis zu 300 km/h in einem inneren Durchmesser von ca. 160 km. So bleibt er scheinbar viele Stunden fast stehen und verwüstet alles, bis zur totalen Zerstörung. Daraus folgen natürlich Hungersnöte. In Haiti wird noch an Hunger gestorben. Nicht nur das Essen ist ein Problem, auch das Trinkwasser. Wasser gäbe es genug, wäre es nicht mit Exkrementen, Schmutz, Cholera und anderen Krankheitserregern verseucht. Um trotzdem an Trinkwasser zu kommen, bringen alte, ausgediente Tankfahrzeuge aus den USA, Wasser, für die Zisternen. Die Bevölkerung muss sich sauberes Wasser in 2 dl-Plastikbeuteln kaufen.

Ein grosses Problem sind auch die Schulen, resp. die Art und Weise des Unterrichtens. Bringt die Lehrkraft den Kindern z. Bsp bei, dass zwei und zwei vier sind, wissen sie das auswendig. Aber wie viel sind denn nun zwei? Oder vier? Diese Menschen sind kaum in der Lage, ein zwanzigteiliges Puzzle zusammenzubringen. Das liegt nicht an fehlender Intelligenz und Begabung. Sie haben nie »begreifendes« Lernen erleben dürfen.

LEMUEL SWISS hat 2017 in Haiti ein Jugendzentrum gebaut. Hier soll einheimischen Lehrkräften eine effizientere Schulmethodik vermittelt werden. Die so Ausgebildeten sind dann in der Lage, ihr Wissen an die Kinder weiter zu geben. Das ist nachhaltige Hilfe.

In den verschiedenen, über das Land verteilten Schulen, werden junge Frauen zu Schneiderinnen ausgebildet. Dies ist die zentrale Aufgabe von LEMUEL SWISS.

In einer Provinzstadt gibt es bloss eine Einkaufsmöglichkeit für westliche Produkte: Marmelade aus Ägypten, Butter aus Dänemark, Wein aus den USA etc. Die Produktpreise liegen teilweise über dem Schweizer Niveau und solche Nahrungsmittel sind deshalb für die haitianische Bevölkerung unerschwinglich.

Die einheimische, schwarze Bevölkerung sind ursprünglich aus Westafrika eingeschleppte Sklaven, resp. die Nachkommen von diesen. Voodoo, ein Geisterglaube, stammt ursprünglich aus Benin, Westafrika. Man sagt: 60% der Leute in Haiti sind katholisch, 40% reformiert und 100% Voodoo. Voodoo kennt keine Barmherzigkeit. Die Menschen glauben, sie müssten die Verstorbenen (Geister) besänftigen; denn sie bedrängen die noch Lebenden. Ein Beispiel: Wird jemandem geholfen, sagt ein anderer, dem geht es jetzt besser als mir. Der hat jetzt sicher einen bösen Geist auf mich gerichtet. Also muss ich den umbringen.
Der Referent fragte einen jungen Mann: »Wie geht das, dass Du am Sonntag in die Kirche gehst, und unter der Woche Voodoo treibst?« Seine Antwort: »Voodoo ist das Einzige, das Ihr Weissen uns nicht wegnehmen konntet. Das haben wir damals von Afrika mitgenommen, das gehört zu unserer Kultur. Ihr habt uns damals behandelt wie Tiere. Ein französischer Sklave hatte damals eine Überlebenschance von höchstens zwei Jahren — und jetzt frag bitte nicht mehr weiter!« Weiterfragen wäre lebensgefährlich gewesen.

Haiti hat keinen Wald mehr. Das Holz wird leider noch heute zu Holzkohle gemacht und für das Kochen verwendet. Heutzutage wird versucht, den Wald wieder aufzuforsten. Ein sehr schwieriges Unterfangen auf erodiertem, offenem Boden.

Das Gesundheitssystem in Haiti ist dem in der Schweiz nicht vergleichbar. Wer kein Geld hat, wird nicht behandelt.
Die elektrischen Installationen sehen aus wie die in einigen Schwellenländern der EU. Offene, spannungsführende Drähte, zum Teil jederzeit erreich- und berührbar. Elektrische Installationen, die immer wieder Menschenleben kosten.

Wer meinen Bericht aus Craiova, Rumänien (EU!) gelesen hat, sieht hier Parallelen, nur eben noch ein Stockwerk tiefer.
Korruption gehört in der präsidialen Republik Haiti zum System!

Sehr viele Hilfswerke haben resigniert und aufgegeben. Nicht so LEMUEL SWISS. Dieses private Hilfswerk arbeitet nun schon seit 17 Jahren in Haiti.
Das EDA warnt vor Besuchen in Haiti: Die Sicherheitslage ist prekär und unberechenbar; die Zahl von Gewaltverbrechen ist hoch (5.10.2017).

   

 

 

 

 

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